Whiskymuseum vom Hochwasser vernichtet

Vor knapp drei Wochen am 27. Juli 2002 haben wir unser einzigartiges Whiskymuseum eröffnet. Damals war die Welt noch in Ordnung und niemand konnte ahnen welche Sintflut uns drei Wochen später treffen würde. Die Medien reduzieren das ganze auf einen kleinen Terminus: Jahrhunderthochwasser.

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Am Sonntag 11.8.2002 saßen meine Frau und ich noch beisammen und beschlossen wie wir unsere Spenden an die betroffenen Bürger in der näheren Umgebung, die bereits von den Vorboten des Unaussprechlichen erfasst wurden, verteilen sollten. Wir dachten sogar an eine Wohltätigkeitsveranstaltung im Museum, um den Reinerlös spenden zu können. Derweilen prasselte der Regen mit einer Intensität nieder, die wir selbst noch nie erlebt hatten.

Montag 12.8.2002 mittags: der unserem Firmen- und damit auch Museumsgelände benachbarte Autohändler beginnt seine Autos wegzufahren. Die ersten Anzeichen eines Hochwassers machen sich bemerkbar. Nach einer kurzen Erkundungsfahrt an der Donau steht fest: wir haben maximal eine Stunde Zeit. Zu dieser Zeit wurden wir von der Feuerwehr nicht vorgewarnt. Wir beginnen auf unserem Firmengelände alles auf einen Meter Höhe hochzulagern. Die Harley, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Firma befindet, wird auf einem Kran etwa 1,2 Meter hoch aufgehängt. Dann beginnen wir alle Flaschen im Museum auf 80cm hochzuräumen. Völlig erschöpft mache ich zu Hause eine kleine Pause und als ich gegen 19:00 in die Firma zurückkehre steht das Wasser bereits auf unserem Gelände außen 40cm hoch. Da wo Firmen und Strassen waren, bewegt sich eine einzige reißende Wassermasse dahin, die ständig ansteigt. Wir beschließen zu diesem Zeitpunkt das Museum zu evakuieren. Gerald Petschl und seine Frau Brigitte helfen mir und gegen 22:00 haben wir alle Flaschen in den Zwischenstock oder einen Stock höher getragen. Die gesamte Einrichtung, Barhocker, Billiardtisch etc. bleiben im Museum. Wir können das Museum nur noch aus dem Fenster im ersten Stock verlassen und bis zum Bauch dann das Wasser an den seichteren Stellen durchwaten.

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Dienstag 13.8.2002 morgens 7:00: Ein Anruf weckt mich mit der positiven Meldung, es sei drinnen alles trocken. Erleichtert mache ich mich auf den Weg und will in der Firma einige kleinere Wasserlachen wegwischen. Doch irgendwie wird das Wasser nicht weniger sondern mehr. Schnell steht fest, dass das Wasser rapide ansteigt. Wir verlassen fluchtartig das Gebäude, das etwa drei Stunden später gesamt 50cm im Innenbereich unter Wasser steht. Schnell wird klar, dass hier nichts mehr zu retten ist. Bis zum Abend gegen 21:00 steigt das Wasser beständig an und stabilisiert sich erst danach wieder.

Mittwoch 14:8.2002 morgens: das Wasser ist bereits soweit zurückgegangen womit wir mit den Aufräumungsarbeiten beginnen können. Unsere Firma hat es im Vergleich zu unseren Nachbarn relativ glimpflich erwischt und wir kommen mit einem Schaden von EUR 100.000,-- sowie einer Woche Produktionsausfall davon. Abzuwarten bleibt in welcher Höhe wir mit Forderungsausfällen belastet werden, da viele unsere Kunden durch diese Katastrophe vor dem Konkurs stehen. Die Schäden im Museum sind beträchtlich aber nicht so katastrophal wie zuerst angenommen. Der Billiardtisch, sowie die Möbel sind verzogen, die Barhocker wurden vollkommen aufgeweicht, der Boden ist komplett hin, die Elektrik samt Alarmanlage vernichtet und die Malerei beschädigt. Alles in allem werden wir aber mit einer weiteren Investition um die 15.000,-- Euro alles in den Griff bekommen. Ein Problem ist nur, dass das Wasser trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gut 50 Flaschen erwischt hat. Als hätte das Wasser meine Favoriten gekannt sind einige Bowmores und Bruichladdichs dabei. Ich kann nur sagen Islay grüßt. Wir haben sofort mit damit begonnen Entfeuchtungsgeräte aufzustellen ,um einen größeren weiteren Schaden an den Möbel zu verhindern. Sobald alles ausgetrocknet ist und wir das Finanzielle geregelt haben, starten wir wieder voll durch. Es bedarf größerer Rückschläge um ein Whiskymuseum in Österreich zu verhindern. Die Hilfsbereitschaft unserer Freunde und auch Museumsgäste lässt uns hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und wir versuchen einen Neustart mit Ende September.

Unser besonderer Dank gebührt Zeno Geisseler, der alles in seiner Macht stehende versucht uns zu helfen und auch Clemens Dillmann von www.wisky.de der für uns eine Wohltätigkeitsauktion gestartet hat. Auch die Scotch Malt Whisky Society beteiligt sich an dieser Aktion. Liebe Freunde wir können euch allen nicht genug danken. Sollte mehr finanzielle Hilfe hereinkommen, als wir benötigen, so wollen wir dieses Geld auf keinen Fall für uns behalten. Wir haben beschlossen in diesem Fall die Hälfte der Hochwasseropfer in Österreich zur Verfügung zu stellen. Ich kenne die Bilder aus Dresden und Prag und etwa so sieht es auch in unserem Umland aus. Die Hilfsbereitschaft ist enorm, kann aber bei jenen, die alles verloren haben, nicht die existentiellen Sorgen lindern. Deshalb soll ein Teil hierher gehen. Die andere Hälfte werde ich persönlich zu Jim McEwan nach Islay für die diversen dort laufenden Hilf- und Unterstützungsprojekte bringen. Auch unsere schottischen Freunde leiden durch derartige Katastrophen enorme Not und deshalb soll die andere Hälfte (meines Herzens) für Sie bestimmt sein.

Ich danke nochmals Euch allen da draußen für Eure Hilfsbereitschaft. In Zeiten wie diesen braucht man einen starken Rücken und den bietet Ihr uns derzeit mit einer Herzlichkeit und Selbstverständlichkeit die seinesgleichen sucht. Wir sind nicht nur Whiskyfreunde in Zeiten wie diesen zeigt es sich, dass wir auch echte Europäer sind.