Jim McEwan ganz privat

Am Freitag den 26. Juli 2002 gegen 16:45 war es soweit. Unser lieber Freund Jim McEwan kam am Flughafen in Linz an und die Begrüßung war überaus herzlich. Bei der Fahrt ins Hotel erzählte uns Jim, dass niemand ihm glaubte, dass er nach Österreich fliegen würde. Vielmehr war man in Schottland der Meinung er würde sich nach Chicago begeben.

Nach einer kurzen Erfrischung im Hotel kamen wir dann alle zusammen: Zeno Geisseler aus Zürich samt Freundin, Hendrik Roes mit Frau, Lisa und Robert Groger, Giuseppe Begnoni mit seinem Neffen, Jim, meine Frau Andrea und ich. Zuerst stand ein kurzer Besuch im Museum auf dem Plan. Jim ließ die Räumlichkeit voll auf sich einwirken und ließ dann seiner Begeisterung freien Lauf. Die größte Freude hatte er mit einem Loch Indaal 10yo, da er noch nie zuvor einen gesehen hatte. Eine kleinere Enttäuschung kam auf, als er merkte, dass die Flasche nicht zum Öffnen bereit stand.

Jim, ein wandelndes Geschichtsbuch, gab hier seine erste Story zum besten. Er erzählte uns von einer Gruppe Holländer, die volltrunken in der Bucht von Loch Indaal ohne Badekleidung sich in das Meer stürzten. Zur gleichen Zeit kam ein Amerikaner vorbei, der irrsinnig schlecht aber sehr gerne Dudelsack spielte. Diesen schickte man auch auf einen Felsen in der Bucht und er begann, mit den Holländern in seinem rücken, zu pipen. Von den Holländern bemerkte er zunächst nichts. Als einige Einheimische die nackt Badenden sahen, gingen sie über vor Begeisterung und klatschten und gröhlten was das Zeug hielt. Der Piper fühlte aber sich selbst angesprochen und wurde durch den Jubel nur noch mehr angespornt und pipte was das Zeug hielt. Eine jähe Enttäuschung erfuhr er jedoch als die Unbekleideten dem Wasser entstiegen und nackt an ihm vorüberzogen. Und der Dudelsack sackte zusammen – na ihr wisst schon wie.

Nach dieser Geschichte bewegten wir uns nordwärts Richtung tschechischer Grenze ins bekannte Seminarhotel Guglwald. Hier erwartete uns ein wundervolles, typisches, österreichisches Essen – eine vorzügliche Schlachtplatte. Jim war vor allem von den Blutwürsten oder besser black puddings angetan. Nach dem Essen gab er im Weinkeller einige Geschichten aus dem Whiskyalltag preis, die man heute nicht mehr so gerne hört. Hierbei war die Rede von der täglichen Whiskyration für die Mannschaft, die dadurch langsam aber sicher dem Alkoholismus verfiel, die aufgrund der Trunkenheit ihre Kinder fast nie zu Gesicht bekamen und die ihre Ehefrauen nicht nur vernachlässigten sondern auch verloren. Genauso erzählte er von der malt mans lounge, einer Krebsart, die viele gute Männer dahinraffte, vor allem auch deshalb weil diese im Kiln noch ihre Pfeifen zu rauchen pflegten. Wie wir hier erfuhren war Bowmore die erste Destillerie in den 1970ern, die die tägliche Whiskyration für die Männer abschaffte und damit zuerst für Aufregung im Business sorgte, danach dafür aber durchaus Anerkennung erntete. Bei einigen Geschichten kam eine derartige Spannung und auch Beklemmung auf, dass man fast eine Stecknadel hätte fallen hören können. So erzählte er von einem Barkeeper, der Alkoholiker war und seinen Besucher in einem Gefängnis, wo sich auch anonyme Alkoholiker trafen. Hier war ein man inhaftiert, der im Vollrausch seinen eigenen Bruder mit einem Rasiermesser regelrecht aufgeschlitzt hatte und sich trotz des Blutes an seinen Händen an nichts erinnern konnte. Als der Barkeeper diese Geschichte hörte, eröffnete er sich spontan den anderen gegenüber als Alkoholiker.

Jim fragte die Kellnerin in seiner charmanten Art und Weise nach einem Schluck Whisky als Digestif und die Antwort war einfach aber verblüffend: „Ich habe Scotch Whisky“ – Jim „Welchen“ – „Ich weiß nicht, ich hole die Flaschen“. Daraufhin baute die Kellnerin vor unserer Nase eine Flasche Dimpel, Johnnie Red, Jameson und noch einen Irish auf (so viel zu Thema schottisch). Jim traf seine Wahl nach logischen Gesichtspunkten – eine meine muh und draus bist du. Übrig blieb der Jameson, der dann genussvoll verkostet wurde. Die arme Kellnerin hat wahrscheinlich heute noch einen Kulturschock, da sie sicherlich nicht mit einer derart hochkarätigen Whiskyrunde gerechnet hatte.

Nach einer beeindruckenden Führung durch das Hotel, wo uns der Chef Dietmar Hehenberger höchst persönlich die neuen Zimmer und den neuen Wellness Bereich zeigte, ging es wieder zurück Richtung Steyregg. Während der Fahrt versuchten Jim und Giuseppe mich zu überzeugen, dass ich hier den österreichischen Whiskymarkt aufbauen sollte. Jim versprach mich mit Fässern von Bruichladdich aber auch anderen Fässern durch Murray McDavid zu versorgen. Wir werden diese Idee weiterverfolgen, wenn auch ihr liebe Freunde Interesse an derartigen Abfüllungen hättet. Laßt uns also eure Meinung zukommen, vielleicht gibt es bald eine eigene Museums Whisky Reihe.

In Steyregg verkosteten wir danach noch zu später Stunde einen wunderbaren Scapa 12yo und Giuseppe und Robert fachsimpelten über einen Macallan 1938 Originalabfüllung, dessen Etikett leider etwas in Mitleidenschaft gezogen war. Gegen ein Uhr bereiteten wir uns dann schlafender Weise auf den anstrengenden Samstag vor.