Schottlandreise April 2003

Am Samstag 12.4.2003 ging es früh morgens um 2:00 in Linz los und wir bewegten uns im Rekordtempo quer durch good old Germany um in Amsterdam abends um 18:00 die Fähre von Limjuden nach Newcastle zu erreichen. Ein wunderschöner Zwischenstopp dabei war Alkmaar mit dem berühmten Käsemarkt und seiner vor allem sehr sehenswerten Altstadt und der wunderschönen zentral gelegenen Windmühle.



Pünktlich um 18:00 startete die Queen of Scandinavia von DFDS Seaways Richtung Ungewissheit. Im großen und ganzen kann man die Fährüberfahrt empfehlen, vor allem um die Kinder bemüht man sich an Bord redlich und bietet hier ein umfassendes Programm für die Kleinen. Einziger Wermutstropfen ist das ansonsten allgemein sehr unfreundliche Bordpersonal, angefangen vom Shoppersonal bis zum Bedienungspersonal. Ich habe in meinem ganzen Leben selten so unfreundliche und teilweise muss man sagen unfähige Kellner gesehen wie hier an Bord. Dafür langt man dann aber bei Essen sehr tief in die Tasche, weshalb für mich dieser Punkt dick rot angestrichen wird.

Nach einer angenehmen Nachtfahrt erreichten wir pünktlich um 9:00 Ortszeit Newcastle, das wir dann auch sehr schnell hinter uns lassen konnten und auch gleich Richtung Jedburgh unterwegs waren. Da der Wind ständig zunahm, wussten wir dann auch zum richtigen Zeitpunkt, dass wir in Schottland waren.

Jedburgh wird überragt von der imposanten Abbey aus dem 12. Jahrhundert, die in den Borderkriegen leider großteils zerstört wurde. Man bezahlt hier zwar Eintritt, aber die freundliche Dame machte uns sogleich auf den Mehrtagespass aufmerksam mit dem man unter anderem auch Edinburgh Castle und Stirling Castle besuchen kann – das Geld zahlt sich hierfür also wirklich aus.



Nach Jedburgh ging es Richtung Kelso, wo wir zuerst die kärglichen Reste der kleineren Border Abbey besichtigten, um danach vor dem wirklich imposanten Floors Castle in Staunen versetzt zu werden. Dieses Castle ist so groß, dass ich erst etwa 150 m entfernt die richtige Position fand um das Unding auf ein Foto zu bekommen. Die Innenausstattung sucht ihresgleichen.



Auf dem Weg nach Dryburgh liegt eine eher unbekannte Sehenswürdigkeit – der Smailholm Tower. Dieses turmähnliche Gebäude ist heute noch bestens erhalten und man hat hier wirklich einen herrlichen Rundblick über die Borders. Nicht abhalten lassen von den zahlreichen Kühen, die hier auf der Straße „parken“ und den Touristen mit unglaubwürdigen Blicken betrachten, der sich hierher verirrt. Auf dem weiteren Weg nach Dryburgh findet man dann noch die Wallace Statue und hat bei Scotts View einen wunderbaren Blick über eine malerische Lowlandlandschaft.



Drybrugh Abbey selbst ist schwer beschädigt aber durchaus sehenswert. Vor allem die erhaltenen gotischen Kreuzgänge strahlen beim entsprechender Sonneneinstrahlung ein mystisches Flair aus. Unbedingt nachmittags machen, wenn die Sonne bereits im Westen steht.

Die letzte Abbey auf unserem Wege war dann Melrose Abbey, die angeblich die schönste der Border Abbeys ist. Ich bin zwar nicht dieser Meinung, da Jedburgh für mich mehr Flair hat, aber beeindruckend finde ich hier den Aufstieg auf einen erhaltenen Seitenturm samt Blick über die nicht vorhandenen Dächer der Abbey. Zudem fand hier gerade ein Friedensgottesdienst gegen die unseeligen Krieg im Irak statt.

Letzter kultureller Halt vor dem Weg weiter nach Edinburgh war Abbotsford House, das einst Sir Walter Scott gehörte – ein touristisches MUSS. Neben der wirklich wunderschönen und allerfeinsten Innenausstattung samt kleiner Waffensammlung und Rittersammlung beherbergt das Anwesen die Büchersammlung von Schottlands bedeutendstem Novellisten und Romancier. In der Bibliothek befinden sich stattliche 7.000 Bücher und im Vorraum nochmals weitere 2.000 Bücher. In der Bibliothek beeindrucken vor allem auch die geschnitzte Decke und die höchst dekorativen Sessel. Ein Rundgang durch den üppigen Garten des Hauses rundet das Bild dann ab.



Nach unserer ersten Nacht im Travel Inn im alten Hafen von Leith war der angebrochene Tag dem wirklich sehenswerten Zoo von Edinburgh gewidmet. Der Eintrittspreis erinnert zwar an die horrenden Steuern von 1796 aber was dafür geboten wird ist auch nicht schlecht. Der Zoo zieht sich einen ganzen Berg hinauf, von dem man dann eine grandiose Aussicht über Edinburgh hat. Den Tieren bietet man zwar teilweise nicht den nötigen Auslauf, aber man ist hier sichtlich bestrebt dieses zu ändern, da umfangreiche Bauarbeiten im Gange sind. Hauptattraktion ist die riesige Pinguinkolonie. Diesen possierlichen Kerlchen könnte man Stunden lang zusehen.

Am Abend wurde dann ein Traum war – der erste Besuch im Members Room der Scotch Malt Whisky Society in THE VAULTS in Leith. Es handelt sich bei diesem Gebäude um das älteste bestehende Lagerhaus Edinburghs, das die Society aus einer Ruine in ein herrliches Zentrum des Genusses umgebaut hat. Vom Manager Richard Gordon persönlich empfangen und in die altehrwürdigen Räume eingeführt, lernten wir dann Charlotte Halliday (Marketing Managerin) und Arthur Motley (Whiskyeinkauf) kennen. Im persönlichen Gespräch war Richard von unserem, im September in Steyr/OÖ, geplanten Whiskyevent dermaßen begeistert, dass er hier auf jeden Fall Unterstützung der Society sowie die Anwesenheit eines führenden Mitgliedes versprach. Der Hammer war dann aber meine allererste Teilnahme in einem Tastingpanel. Unter der Leitung von Charlie MacLean verkosteten acht Personen, darunter auch der bekannte Whiskyautor Gavin D. Smith, acht verschiedene – nein diesmal nicht Whiskies sondern – Single Cask COGNAC. Der jüngste von diesen war 28 Jahre alt und der älteste 45 Jahre!!! Bei dieser Verkostung kam aber wieder einmal eines klar ans Tageslicht – Whiskytrinker sind keine Cognacfreunde und daher waren sich alle ausnahmslos einig – keine besondere Wertung für dieses wenn auch sicherlich sehr edle Getränk.



Am nächsten Tag stand eine Lowlandtour an die Ostküste auf dem Programm. Unser erster Stop führte uns in eine der bekanntesten Lowlandbrennereien – Glenkinchie. Nach einem sehr herzlichen Empfang bestaunten wir als erstes das wirklich sehenswerte, über 10 Meter lange, noch immer funktionstüchtige Modell der Brennerei, das für die Weltausstellung im Jahr 1927 in London erstellt wurde. Die Brennerei hat zwar nur zwei Brennblasen, die aber zu den größten in Schottland gehören. Die Führung selbst war sehr persönlich und man ist hier sichtlich um den Besucher bemüht. Das sieht man alleine am Ende der Tour, wo man nicht nur einen Glenkinchie Single Malt zu Probieren bekommt sondern aus beinahe der ganzen Palette der Fauna & Flora Serie sowie den Rare Malts Whiskies verkosten kann. Einfach sensationell – habe ich in dieser Form noch in keiner Brennerei erlebt. Absolut begeistert war ich dann aber von unserem Guide. In einzelnen Nischen wurden Flaschen der Classic Malts aber auch Blends und vor allem Single Grains präsentiert. Als wir auf die Grains zu sprechen kamen, erzählte ich unserem Guide Walter von der Sammlung im Museum und dass mir der hier ausgestellte Old Cameron Brig 12yo bedauerlicherweise fehlte. Darauf hin tauschte Walter diese Flasche gegen einen neuen Cameron Brig aus und machte mir die Alte im Namen von Glenkinchie und UDV zum Geschenk für das Museum. Diese Freundlichkeit hat mich wirklich überwältigt, obwohl UDV/Diageo ja bekannter weise ein sehr großzügiger Unterstützer des Museum ist. Vielen Dank nochmals an dieser Stelle an Walter und das ganze Team!!!





Der nächste Weg führte uns zu Dirleton Castle und dem überaus windumgarnten Tantallon Castle von dem man einen tollen Blick hinüber zum Bass Rock hat – ein Felsen, der seine weiße Farbe vor allem dem übermäßigen Vogeldung zu verdanken hat. Die weitere Runde führte uns dann noch zu Crichton Castle, bei dem ich für Schottland einen absoluten Temperaturrekord von 25° Celsius verspüren durfte – mit anderen Worten ein Traumtag.

Der Abend war dann von einer weiteren Einladung in das Tasting Panel der Scociety geprägt – aber diesmal wurde wirklich Whisky verkostet. Unter Anleitung von Robin Laing, dem bekannten Sänger von Whiskysongs, verkosteten wir wieder acht Proben von Arran, Glenrothes, Highland Park und Scapa. Mein absoluter Favorit war dabei der 1998 Arran, der trotz seines jugendlichen Alters schon sehr vielversprechend war. Lustig fand ich beim Tasting vor allem die verwendeten Ausdrücke und Beschreibungen, die sich dann ja auch in unserer Bottling List immer wiederfinden.

Der nächste Tag war geprägt von Edinburgh Castle, das wirklich beeindruckend über der Stadt thront. Vor allem sind hier die Kirche, der Rittersaal und die Kronjuwelen sehenswert. Der Ein-Uhr-Kanonenschuss ist auch ein lustiges Schauspiel – jeden Tag um ein Uhr wird genau ein Kanonenschuss abgegeben. Damit stellte man in der Vergangenheit die Uhr bzw. konnte sich die Bevölkerung danach richten. Der Rest des Tages bestand aus Shopping auf der Royal Mile. Österreichs jüngster Pseudoschotte – Sohn Gerald Neuhauser – wollte unbedingt ein volles Kilt Outfit um bei unserem Whiskyevent im September entsprechend gekleidet sein zu können.

Nordwärts – das war die Devise des nächsten Reisetages. Ein kurzer Aufenthalt in South Queensferry eröffnete uns einen beeindruckenden Blick über die Forth Bridges. Da ragte einerseits die wirklich imposante Eisenbahnbrücke aus dem Nebel und knapp daneben die längste Hängebrücke Europas. In North Queensferry ging es dann ab in die Deep Sea World, wo wir umgeben von Haien, Rochen und anderen Fischen uns unter Wasser durch ein Becken durchkämpften. Der Eintritt ist zwar wirklich horrende, aber es lohnt sich trotzdem.

In Dunfermeline bestaunten wir neben der alten Abbey und dem alten Schloss vor allem die neue imposante Kirche, die direkt mit der alten Kathedrale verbunden wurde. Hier liegt Schottlands bekanntester König Robert the Bruce begraben – sein Herz ruht ja bekannterweise in Melrose Abbey. Das Grab ist wirklich würdig hergerichtet und unter der Kanzel direkt gelegen. Quer Feld ein ging es dann nach Auchtertool, wo früher bis in die 1930er eine Destillerie gelegen war, von der man heute aber nichts mehr findet.

Absolut verblüfft waren wir dann von St. Andrews. Der Golfplatz darf sich mit Fug und Recht ja als der weltweit bekannteste betrachten. Die Stadt selbst aber nimmt bereits riesige Ausmaße ein und die Ruinen der Abbey sind wirklich imposant. Erst vom St. Andrews Castle bekommt man einen Eindruck wie riesig diese Kathedrale früher gewesen sein muss. Von St. Andrews ging es dann über die Tay Bridge nach Dundee, wo man im Hafen die Discovery, ein früheres Forschungsschiff in der Antarktis, bestaunen kann. Dundee selbst hat dann eher den Charakter einer Industriestadt und daher währte unser Aufenthalt nur für eine Nacht.

Früh morgens ging es dann als erster Richtung Huntington Tower nahe Perth. Es handelt sich dabei um ein sehr gut erhaltenes Tower House aus dem 15. Jahrhundert, das einen fantastischen Blick auf die umliegende Gegend ermöglicht. Von hier waren es nur noch wenige Kilometer nach Crieff, wo uns nicht die Glenturret Distillery, immerhin eine der Ältesten des Landes, erwartete, sondern The Famous Grouse Experience. Ich habe grundsätzlich noch nie erlebt, dass bei einer Brennerei ein Blend im Vordergrund steht, obwohl man es im Angesicht der Mengenverhältnisse durchaus verstehen könnte. Das berühmte Moorhuhn grinst dann aber doch überall heraus und das wird einem dann beinahe etwas zu viel. Die knapp sechs Pfund Eintritt haben wir uns dann einfach gespart, gemäß dem alten Spruch: „Kennt man Eine, dann kennt man Alle“. Stimmt zwar nicht aber für sechs Pfund pro Nase lassen wir es einfach mal gelten, vor allem auch deshalb weil man auf dem Weg in den Shop sowieso alles inklusive der Brennblasen zu sehen bekommt.



Über die phänomenale Landschaft der Trossachs ging es dann zum Glencoe, wo man in einem netten Visitorcenter einerseits über die geologische Entstehungsgeschichte des Glen informiert wird und andererseits auch eines der düstersten Kapitel in der Clansgeschichte serviert bekommt – das Massaker von Glencoe – wo die Campbells die MacDonalds hingeschlachtet haben. Der Eintritt ist zwar mit knapp sechs Pfund etwas happig, im Gegensatz zum Moorhühnchen erhält man hier aber was Neues für sein Geld.

Entlang der wundervollen Küstenstraße ging es dann vorbei am Castle Stalker Richtung Oban, wo uns kurz vorher das Sea Live and Seals Rescue Center anlachte. Hier finden in Not geratene Seevögel, Otter und Seehunde solange eine Heimat, bis sie wieder kräftig genug für ein eigenständiges Leben in der Natur sind. Vor allem Kinder kommen hier voll auf ihre Kosten, da man nicht nur die Tiere zu sehen und erklärt bekommt, sondern auch bei den Fütterungen dabei sein darf.



Das letzte Kapitel des Tages bildete Dunstaffnage Castle bei Oban mit einem Tageshöchstwert von 25° Celsius. Seit sechs Wochen soll hier angeblich kein Tropfen Regen gefallen sein. Von hier ging es dann auf den Weg nach Tarbert auf dem Mull of Kintyre. Dieser Ort liegt nur wenige Minuten von Kennacraig entfernt, von wo uns am nächsten Morgen die Fähre nach Islay bringen sollte.

Hier mussten wir in Port Ellen gleich feststellen, dass der Abriss von Port Ellen Distillery traurigerweise bereits begonnen hat. Teilweise fehlen bereits die Dächer und Fensterscheiben und wie uns John Tompson im November bereits erklärte, wird der Rest auch nicht mehr lange stehen. Dieses traurige Bild hinter uns lassend bewegten wir uns dann aufgrund des schönen Wetters zuerst auf den Mull of Oa, wo wir zum American Monument hinaufwanderten. An diesen imposanten Küstenstrich wurden in den letzten Kriegstagen des Jahres 1918 etwa 650 amerikanische Seeleute und Soldaten angeschwemmt, nachdem ihr Schiff gesunken war. Der Farmer, der die teilweise extrem zerfetzten Körper am nächsten Tag fand, wird sich von diesem Bild des Grauens wohl nie erholt haben. Das Monument steht heute noch als Mahnmal – trotzdem scheinen gewisse Herrschaften noch immer nichts aus solchen Ereignissen gelernt haben. Aus diesem Grund wird es sicherlich bald wieder an irgendeinem Ort der Welt ein Mahnmal geben – ein stummer Zeuge, den man berührt betrachtet aber seine Botschaft nicht beachtet, geschweige denn versteht.



Nach diesem ausgiebigen Spaziergang entlang der beeindruckenden Steilküste des Mull of Oa suchten wir unser Quartier in Port Charlotte auf. Auf Empfehlung von Ella Edgar aus der Bruichladdich Distillery mieteten wir uns hier auf der Octomore Farm ein Cottage. Die Besitzer James und Sheila Brown sind Farmer mit Leib und Seele und aufs Besondere mit Bruichladdich verbunden. Von hier kommt nämlich teilweise das Wasser der Brennerei. James liebt Whisky über alles und daher hat er hier die Gebäude der alten Octomore Brennerei aus dem Jahre 1840 gekauft und seine Farm errichtet. Das alte Brennereigebäude ist heute ein wunderschönes Cottage, das man wirklich nur empfehlen kann. Als Begrüßungsgeschenk von Bruichladdich erwartete uns eine Flasche 10 Jahre alter Laddie, den wir in den nächsten Tagen ausgiebig genießen sollten. Unser Erkundungstour führte uns diesen Tag noch hinunter nach Port Charlotte, wo mich vor allem die alten Lagerhäuser der Lochindaal Brennerei faszinierten, die heute wieder von Bruichladdich als Lagerhäuser genutzt werden. Aufgrund der großen Trockenheit entzündete sich dann am späten Nachmittag in der Nähe von Bowmore das trockene Gras. Einheimische erzählten uns dabei, dass nahe dem Flughafen einige Tage sogar das Torfmoor gebrannt haben soll, ohne dass Löschversuche sehr erfolgreich waren. Eine riesige, verbrannte Fläche bestätigte uns in den nächsten Tagen diese Aussage.

Eine erholsame Nacht bildete dann die Grundlage für einen ausgiebigen Marsch am nächsten Tag entlang der Ardnave Farm. Etwa sechs Kilometer führt hier ein Weg durch beeindruckende Dünen und Strände und eröffnet an seinem Ziel einen Wahnsinnsblick auf Nave Island. Es ist heute der achte Tag ohne einen einzigen Regentropfen und einem Wetter, wie man es in Schottland selten vorfindet. Die Westküste von Islay entlang geht es dann Richtung Portnahaven, wo uns ein außergewöhnlicher Rückweg nach Islay erwartet. Entlang der ganzen Strecke beobachten wir etwa eine Stunde lange Delphine und Wale wie sie mit uns mitziehen. Nahezu jedes Auto macht kehrt und eine kleine Autokolonne von Enthusiasten fährt von Ausweichinsel zu Ausweichinsel um dort die scheuen Meeressäuger zu beobachten und zu fotografieren. Ein einmaliges Erlebnis, das wir so schnell sicher nicht vergessen werden.





In Kilchoman stellen wir dann eindeutig fest, dass das Brennereiprojekt anscheinend wirklich endgültig begraben ist und es keinerlei Anzeichen für eine neue Brennerei hier gibt. Dafür finden wir im angrenzenden Friedhof ein beeindruckendes keltisches Hochkreuz aus dem 15. Jahrhundert, das im Schatten des Kildalton Cross vor sich hin fristet. Eindrucksvoll sind auf jeden Fall die Kreuzigungsdarstellungen auf der Rückseite, die jedoch leider schon sehr angewittert sind. Ein Abend vor dem offenen Karmin mit einem Glas Laddie in der Hand sollte uns Kraft für den nächsten Morgen bescheren.

Ein Morgen, der mit einem kräftigen Schluck Ardbeg Commitee begann. Wenn man einmal auf Islay war oder zumindest den hier zuständigen Leuten einmal vorgestellt wurde, dann ist man bekannt wie ein bunter Hund. Mit den Worten „ Hi – you are Thomas“ begrüßte uns Jackie Thompson, die das Old Kiln Cafe auf Ardbeg führt. Nicht umsonst war sie voriges Jahr Visitor manager of the year vom Whisky Magazine. Das Essen hier ist wirklich äußerst empfehlenswert. Zuerst diskutierten wir mit dem Manager Stuart Thompson einige Punkte unseres Whisky Events im September und dann ging es auf zu einer gemeinsamen Brennereiführung mit ihm. Den Erfolg von Ardbeg kann man direkt anhand der Produktionszahlen ablesen – in den letzten Jahren hat sich die Produktion fast vervierfacht und man produziert derzeit sechs Tage in der Woche. Eine sieben Tage Woche könnte bald ins Haus stehen. In den Lagerhäusern hatten wir einerseits die Gelegenheit einen seltenen 1975 aus einem Fino Sherry Fass zu verkosten, der derzeit der älteste Whisky der Brennerei ist. Ein 1990iger zeigte uns dann aber die volle Kraft des Ardbeg und fantastisch war ein 1997iger, den Stuart bereits für Glenmorangie gebrannt hat und der in vier Jahren auf den Markt kommen wird. Hier kommt wieder der volle phenolische Geschmack der Destillate aus den 1970ern durch. Um das Warten etwas zu erleichtern bedachte er uns dann mit einer Fassprobe, die aber als Dokumentation eines geschichtlichen Ereignisses reinen Museumscharakter haben wird. Wie schon bei der Museumsgründung zeigte sich Stuart sehr großzügig und unterstützte uns diesmal mit einem Cask End sowie einer Committee Abfüllung – Ardbeg und damit natürlich auch Glenmorangie Plc sei an dieser Stelle nochmals für die gezeigte Großzügigkeit gedankt und wir freuen uns beide hoffentlich im September auf unserem Event begrüßen zu dürfen.



Den ganzen Tag zogen zwar dicke Wolken über die Insel, die aber erst in der Nacht den langersehnten Regen brachten. Stuart erwähnte, dass aufgrund der Trockenheit, bereits Lagavulin und Bruichladdich Probleme in der Wasserversorgung hätten.

Dieser nun erstmals regnerische Tag begann mit einem Besuch bei Lagavulin. Donald Renwick erwartete uns bereits und wir diskutierten einige Punkte die Versorgungsengpässe betreffend aber auch unseren Event im September war Donald gegenüber sehr offen. Seinen Worten zu Folge würde er gerne nach Österreich kommen – mal sehen was wir machen können. Für unsere Ausstellung „Die Whiskys von Islay“ überreichte uns Donald einen Valinch, den er selbst erst vor sechs Monaten aus den alten Gemäuern von Port Ellen herausgeholt hatte. Dieser wird in Zukunft ein Prunkstück des Museums sein.

Danach folgte ein Besuch bei Laphroig, wo ich mir einerseits meinen Annual Share abholen durfte und andererseits die Gelegenheit erhielt, Robin Shields, den neuen Manager von Laphroig kennen zu lernen. Robin kommt aus dem Brauereibereich und ist, man glaubt es kaum, ENGLÄNDER. Allied Domecq geht hier einerseits neue Wege – ich glaube aber auch, dass Robin es schaffen wird. Er ist ein sehr umgänglicher und zuvorkommender Zeitgenosse, der bereits einiges an Wissen im Whiskybereich vorweisen kann. Robin will nicht in die Fußstapfen von Ian treten, sondern seine eigenen hinterlassen – wir wünschen ihm und Allied dazu alles Gute und bedanken uns hier nochmals recht herzlich für die großzügige Unterstützung des Museums mit zwei Cask ends.



Unser nächster Weg führte uns so zusagen nach Hause – es stand Bruichladdich auf dem Programm, und der Empfang war wie immer auf das Herzlichste. Ella Edgar, eine Perle die man ansonsten nur schwer findet, war heute unser Gastgeber. Im Grunde verdanken wir ihr die große Unterstützung der anderen Destillerien, da Sie die Cask ends und alles andere organisiert hatte. Von Bruichladdich erhielten wir ein Cask end eines Fasses, das immerhin schon seit knapp 100 Jahren im Umlauf ist. John und Manager Duncan freuten sich auch sichtlich über das Wiedersehen und in der neuen Abfüllhalle hatten wir dann einiges an Spaß. Diesmal sollten nämlich wir die Fässer öffnen – sieht ja immer so leicht aus die zwei oder drei Schläge mit dem Holzhammer direkt neben dem Fassspund. Ja, zwischen Theorie und Praxis ist dann aber ein Riesenunterschied. Nachdem das Fass nach 10 Schlägen immer noch nicht offen war, spukte die Mannschaft in die Hände – und brachte es vorerst auch nicht auf. Nach allgemeinem Gelächter und einiger Mühe schafften wir dann aber das Unmögliche und wurden mit einem wunderbaren 1987 bedacht. Als glorreichen Abschluss füllten wir dann noch einen 1990er Valinch ab und begaben uns weiter Richtung Nordende der Insel.



Caol Isla überraschte uns mit zwei Cask ends aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. In den Lagerhäuser fand man in einer dunklen Ecke noch einige alte Holzstücke, die wunderbar zusammenpassten – etwas neue Farbe und schon waren zwei Cask Ends perfect. Neuigkeiten erfuhren wir leider keine, da außer dem Warehouseman niemand mehr da war. Trotzdem danke an Diageo für die überaus große Unterstützung.

In Bunnahabhain fanden wir einen äußerst betrübten John MacLellan vor. Grund war der erst vor wenigen Tagen getätigte Verkauf an Burn Stewart, die selbst vor wenigen Wochen durch einen Firma aus Trinidad übernommen wurden. John war berechtigterweise mit dem Verkauf nicht einverstanden und konnte uns keinerlei Informationen über die Zukunft geben. Für das Islay Whisky Festival wird jedoch der Verkauf des 1963er Bunnahabhain vorbereitet, der auf 750 Flaschen limitiert sein soll – Preis noch unbekannt, trotzdem fast ausverkauft. Von John bekamen wir als Geschenk ein wunderschönes Cask end mit vollständiger Bereifung. Irgendwie merkte man ihm die Erleichterung an, dass er einmal mit jemanden Unabhängigen über die ganze Sache sprechen konnte.

Kurioserweise war unser Cask end von Isle of Jura unauffindbar. Geschickt wurde das Ding direkt aus Invergordon – also durch ganz Schottland – und war dann trotzdem verschwunden. Hat anscheinend jemanden besonders gut gefallen, der es dann mit nach Hause genommen hat. Trotzdem danke an Kyndal für die Mühe.

Nach einem erholsamen Tag am Big Strand bei strahlendem Wetter und einem Besuch im Museum für Islay live begaben wir uns wieder Richtung Festland. Zuerst stand ein Kurzbesuch bei Loch Fyne Whisky an, wo wir schon von Richard Joynson erwartet wurden. Loch Fyne Whisky ist nicht umsonst wie ich denke der bekannteste Whisky Shop weltweit. Die Auswahl ist beachtlich und man findet hier auch eine Unzahl an alten Abfüllungen – der Preis ist auf jeden Fall für Schottland als angemessen zu bezeichnen, rare Stücke erhält man teilweise um einiges billiger als bei uns. Auf der Website www.lfw.co.uk hat Richard immer einige höchst witzige Informationen parat – bestes Beispiel derzeit ist der wieder einmal letzte erhältliche Ben Wyvis (the last of the last of the latest and now for sure the last one blablabla...). Mit Richard über Whisky zu diskutieren macht Spaß, da er ein umfangreiches Wissen hat und sich wirklich auch die Zeit – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Als wir dann gehen wollten, kramte Richard eine Flasche alten Ardbeg 10yo mit dem schwarzen Label hervor und meinte dies sei sein persönliches Unterstützungsgeschenk für das Museum, da er damals bei der Auktion auf www.whisky.de keinen Beitrag leisten konnte. Man kann sich denke ich sehr gut mein blödes Gesicht vorstellen, da man eine derartige Großzügigkeit nicht für selbstverständlich halten kann. Allerherzlichsten Dank an dieser Stelle nochmals an Richard und Loch Fyne Whisky.

Der nächste Stop war dann ein besonderer Leckerbissen – eine spezielle Einladung von Jimmy Robertson, European Regional Manager von Morrison Bowmore Distillers, und Ronnie F. Learmond, Distillery Manager, zur Besichtigung von Auchentoshan Distillery. Die Führung durch die Brennerei war für uns alle von größtem Interesse, da dies nun die einzige Brennerei ist, die dreifach brennt – und der Unterschied ist schon gewaltig. Der Brand aus der dritten Brennblase, der eigentlichen Spirit Still, hat einen Alkoholgehalt von durchschnittlich 81%. Unverdünnt riecht er schon vielversprechend, nach Zugabe der doppelten Menge Wasser und damit einer erreichten Trinkstärke von 40% werden florale und fruchtige Aromen frei, die derart sauber sind, dass man dies fast nicht glauben kann. Am meisten beeindruckte uns dann die Verkostung des Threewood, der durchaus Anklänge an Cognac erahnen lässt. Die Brennerei selbst ist wunderschön und liebevoll gepflegt, für die Besucher aber leider geschlossen. Vielleicht wird sich das aber 2004 ändern – mal sehen.



Jimmy Robertson war dann vom Whiskyevent in Österreich mehr als begeistert und sagte einen Spezial Evening sowie eine Masterclass zu. Die Durchführung selbiger bleibt ihm überlassen, wer sich aber auf die Interwhisky im November in Frankfurt erinnert weiß, dass dort der 1964er Bowmore Fino Sherry verkostet wurde. Also man darf hier auf das äußerste gespannt sein, was sich Morrison Bowmore einfallen lässt. Dank an dieser Stelle an MBD für die drei wunderschönen Cask ends von Auchentoshan, Bowmore und Glen Garioch.

Am letzten Tag unseres Schottland Aufenthaltes ging es über Drumlanriag Castle, Dumfries – einer nicht unbedingt sehenswerten Kleinstadt – sowie Gretna Green – einem überlaufenen Touristenort mit einer heute nicht mehr unscheinbaren Schmiede - zurück nach Newcastle, wo uns die Fähre zurück nach Amsterdam brachte.

Alles in allem war es ein unvergesslicher Urlaub in der geliebten Heimat, wo uns diesmal einfach das Wetter dermaßen überraschte.

Slainthe

Euer Thomas 1st Austrian Scotch Whisky Museum